Ayurveda - das Wissen vom Leben
Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst, die mindestens seit 5000 Jahren existiert und bis heute viele Anwender in Indien, Nepal, Sri Lanka und langsam auch in Europa hat. Als ganzheitliche Medizin werden neben den physischen Aspekten auch die mentalen, emotionalen und spirituellen Seiten des Menschen beachtet. Im Mittelpunkt des Ayurveda steht die Vorbeugung von ernsthaften Erkrankungen, durch Erreichen eines Gleichgewichts auf der körperlichen sowie auf der Bewusstseinsebene.
Die Schlüsselelemente der Lehre
Grundlegend ist die Typologie menschlicher Temperamente bzw. Lebensenergien, der sog. Doshas. Ein ayurvedischer Mediziner wird zuerst durch Befragung, Zungen- und Pulsdiagnose das vorherrschende Dosha des Patienten ermitteln und darauf aufbauend die Therapie anlegen. Ein weiterer wichtiger Bereich ist ein typgerechtes Reinigungs- und Entschlackungsprogramm, bekannt unter dem Begriff Panchcakarma sowie die Ernährungslehre, die für jedes Dosha spezielle Ernährungsempfehlungen bereit hält. Meditationen sowie Yogaübungen runden das ganzheitliche Konzept ab.
Die drei Doshas
Nach ayurvedischer Vorstellung kommen folgende Doshas in jedem menschlichen Körper vor.
Vata (Wind, Luft und Äther, Pneuma): Diese Menschen sind leicht erregbar, in einem Moment Himmel hoch jauchzend, im anderen zu Tode betrübt. Typisch sind eine rasche Auffassungsgabe und Arbeitsweise sowie eine lebhafte Gestik und Bewegung. Alle Tätigkeiten werden in Hast und Hektik ausgeführt, Entscheidungen fallen ihnen schwer. Ihr Lebenswandel ist von Turbulenzen und Unregelmäßigkeiten geprägt.
Pitta (Feuer und Wasser, Chole): Menschen mit diesem Dosha haben scharfe, durchdringende Augen, einen scharfen Intellekt und ebenso scharfe Verdauungssäfte. Diesen Typ zeichnet extreme Leidenschaft und Draufgängertum aus. Außerdem besitzt er reichlich Humor, Ehrgeiz, Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen. Sein Sinn für Gerechtigkeit ist sehr ausgeprägt.
Kapha (Erde und Wasser, Phlegma): Das Kapha-Naturell zeichnet sich durch Zuverlässigkeit, Geduldigkeit, Treue, Ausdauer und ein Harmoniebedürfnis aus. Meist können diese Menschen gut mit Geld umgehen und materielle Güter gewinnbringend verwalten. Sie haben jedoch Schwierigkeiten, loszulassen und sich von Dingen und Menschen zu trennen. Unterdrückte Emotionen lösen häufig Melancholie, Lethargie, Eßstörungen und Depressionen aus.
Meist dominieren ein oder zwei Doshas. Wenn diese Energien ausgewogen, in einem harmonischen Gleichgewicht vorkommen, gilt der Organismus als gesund.
Die Ernährungslehre
Unabhängig von den Doshas gibt es allgemeine Empfehlungen der ayurvedischen Heilkunde:
- nur bei Hunger essen
- die Hauptmahlzeit mittags einnehmen
- auf Zwischenmahlzeiten verzichten
- in Ruhe essen, nicht unter Druck und Hetze
- sich nicht völlig satt essen
- zwischen den Mahlzeiten mindestens drei Stunden Pause einlegen
- möglichst frische Lebensmittel essen
- auf achtsamen Verzehr von Fleich achten
- Wasser und Kräutertee trinken
- bei jeder Mahlzeit alle fünf Geschmacksrichtungen berücksichtigen
Quelle: Das neue Ayurveda Praxis Handbuch gesund leben, sanft heilen, Hans Heinrich Rhyner, Urania 2004
Bild: © vision images/fotolia.de
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