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Eine bemerkenswerte Frau ihrer Zeit

Im Jahre 1098 wurde Hildegard von Bingen als Tochter der Edelfreien Hildebert und Mechthild geboren. Als zehntes Kind war ihr kirchlicher Weg bereits vorgezeichnet. Entsprechend der damaligen Sitte, begann die klösterliche Erziehung im Alter von 8 Jahren mit einem verbindlichen Ritus. In ihrer Autobiographie schreibt die hl. Hildegard später bereits von ersten "Visionen", wie helles Licht und göttliche Eingebungen im Kindes- und Jugendalter. Im Jahre 1112 legte sie ihre Profess ab und wurde 1136 zur Oberin der Benediktinerinnen von Disibodenberg. Nach eigener Darstellung wurden 1141 ihre Visionen besonders stark und sie fing an, diese mit Unterstützung eines Schreibers in Latein aufzuzeichnen. Hierfür erhielt sie einige Jahre später sogar die offizielle Erlaubnis des Papstes. Zu dieser Zeit gründete die mittlerweile anerkannte Wissenschaftlerin ihr eigenes Kloster auf dem Rupertsberg an der linken Seite der Nahe, in der Nähe des heutigen Bingen. Ihre Durchsetzungsfähigkeit und ihr charismatisches Auftreten machten sie bekannt. Sie predigte öffentlich, z. T. sogar auf Predigtreisen, die Umkehr zu Gott. Schon zu Lebzeiten nannten sie viele eine Heilige. Im Alter von 81 Jahren starb die hl. Hildegard 1179 in ihrem Kloster. 1228 wurde offiziell ein erster Antrag auf Heiligsprechung gestellt. Obwohl das Kanonisationsverfahren nie abgeschlossen wurde, findet sich die hl. Hildegard seit 1584 im offiziellen Verzeichnis der Heiliggesprochenen der römisch-katholischen Kirche.

Ihr Vermächtnis

Ihr Glaube und ihre Lebensart machten sie für die Menschen der damaligen Zeit zur Wegweiserin. Ihre Lehre faszinierte den Klerus, Adlige und das Volk. Besonders drei theologische Werke bilden die Grundlage dafür. Ihr Hauptwerk Scivias (Wisse die Wege), eine Glaubenslehre, die der damaligen offiziellen Kirchenlehre im wesentlichen entspricht und 26 Visionen darstellt. Das zweite Werk, Liber Vitae Meritorum (Buch der Lebensverdienste), in dem 35 Laster und Tugenden gegenübergestellt werden. Im dritten Werk, Liber Divinorum Operum (Schau über Welt und Mensch), befasst sie sich mit der Schöpfungsordnung und der damaligen Vorstellung von der Erde und seiner Bewohner.
In den 1150er Jahren verfasste sie auch medizinische Abhandlungen. Heute sind 13 davon bekannt, wobei die Identität der Verfasserin umstritten ist. Interessant für Biologie und Medizin sind die Bücher Causae et Curae (Heilwissen - Ursachen und Behandlung von Krankheiten) und Physica. Dieses Werk beschäftigt sich mit der Bedeutung von Pflanzen, Tieren, Steinen und Metallen für die Gesundheit und enthält u.a. Hinweise für das Sammeln und die Anwendung von Heilkräutern. Diese beiden Werke werden heute als Standardwerke der Naturheilkunde betrachtet.

Hildegard-Medizin

Dieser Begriff ist erst in der Neuzeit entstanden, als Mitte des 19. Jahrhunderts die Schriften der hl. Hildegard von Bingen entdeckt und in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts übersetzt wurden. Der österreichische Arzt, Dr. Gottfried Hertzka testete jahrelang die Hildegard-Rezepturen auf ihre Wirksamkeit. Die Hildegard-Medizin umfasst zahlreiche Maßnahmen, die in erster Linie vorbeugende, gesundheitsfördernde Bedeutung haben. Zu den Hildegard-Behandlungen gehören die Pflanzenheilkunde, Ernährungstherapie, Wickel, Bäder, Edelstein-Therapie, Schröpfen und Aderlass. Wobei die letzten beiden Bereiche heute kontrovers diskutiert werden. Einige von Hildegard propagierte Zutaten sind mittlerweile gut erforscht und tatsächlich wertvoll für den Menschen: Der Dinkel wurde von ihr als "bestes" Getreide bezeichnet und enthält tatsächlich nicht nur in der Schale, wie bei vielen anderen Getreidesorten, viele Mineralstoffe, sondern auch im Kern. Im Gegensatz zu den anderen Getreidearten ist das "Urgetreide", so wird der Dinkel auch genannt, sehr verträglich. Der Muskatnuss konnte eine positive Wirkung auf die Psyche nachgewiesen werden. Lavendel soll "reines Wissen und reinen Verstand" bescheren. In der Aromatherapie hat der Lavendel heute seinen festen Platz als "Nervenkraut". Der leicht scharf schmeckende Galgant, eine Lieblingszutat der Heiligen, ähnelt optisch der Ingwerwurzel und wird auch heute zur Anregung der Produktion von Magen- und Gallensäften und damit zur Förderung der Verdauung verzehrt. Populär ist auch wieder das Wissen um die Edelsteine geworden. Hildegard ging davon aus, dass die individuelle Kristallstruktur und die Anordnung der Atome darin zu einer exakten Schwingung führt, die, auf den Menschen übertragen, die Energie zum Fließen bringen kann. Besondere Bedeutung kommen Amethyst, Bergkristall, Chrysopras, Jaspis, Chalzedon und Smaragd zu.

 

Chancen und Grenzen

Es gibt viele positive Beispiele für die Anwendung der Hildegard-Medizin. Gerade in der Prävention und bei leichten körperlichen Verstimmungen können diese Hausmittel gute Dienste leisten. Ernst zu nehmende Nebenwirkungen sind kaum zu erwarten. Schwere Erkrankungen sollten jedoch keinesfalls allein mit Hildegard-Therapien behandelt werden. Hier steht die Behandlung durch Ärzte im Vordergrund, auch wenn der eine odere andere Hildegard-Tipp die Lebensqualität durchaus verbessern kann.

 

 

Buch-Tipps:

Hildegard-Heilkunde von A-Z, Dr. Wighard Strehlow, Knaur
Das Hildegard-von-Bingen-Kochbuch: Die besten Rezepte der Hildegard-Küche, Dr. Wighard Strehlow, Heyne Verlag

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