Spagyrik - Geheimwissenschaft der Alchemisten
Die Wurzeln der Spagyrik reichen bis ins alte Ägypten, in die hermetische Lehre, zurück. Bekannt geworden ist sie jedoch durch Paracelsus, den Arzt, Philosophen, Mystiker, Astrologen und Alchemisten, der im 15. Jahrhundert gelebt hat. Der Begriff "Spagyrik" stammt von den griechischen Wortsilben spao, das für ziehen, trennen steht und ageiro, was soviel wie vereinigen, zusammenführen heißt. Dabei werden pflanzliche, mineralische und tierische Ausgangssubstanzen mit Hilfe alchemistischer Verfahrensweisen zu Spagyrika verarbeitet.Alchemisten
Spätestens seit Erscheinen von Paul Coelhos Buch "Der Alchemist" haben wir einen tieferen Einblick in die Lebensaufgabe der Alchemisten erhalten. Sie verfolgten die Idee, Metalle umzuwandeln, vor allem unedle in Gold. Auch wenn sich das sehr weltfremd und mystisch anhört, waren die Alchemisten damals keine Betrüger sondern Forscher, denen die Chemie und Medizin viele Erkenntnisse verdankt.
Die Zeit der Spagyriker
Paracelsus wollte seinerzeit klar herausstellen, dass er sich mit der Herstellung von Heilmitteln befasste und taufte diesen Zweig der Alchemie "Spagyrik". Damit grenzte er sich auch gegenüber der "galenischen" Medizin ab. Unter "ars spagyrica" verstand er die Kunst, Wertvolles von Unreinem zu erhöhter Wirkung zu erhalten. Zur Zeit der französischen Revolution und Aufklärung wurde es still um die Alchemie. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen wieder einige Forscher mit der Herstellung dieser feinen Heilmittel. Vertreter dieser zeit sind Carl Friedrich Zimpel, Johann Gottlieb Rademacher, Alexander von Bernus, Johann Conrad Glückselig u.a.
Verfahren
Auch wenn die Verfahren unterschiedlich sind, sind sich alle Spagyriker einig, dass jeder Pflanze, jedem Lebewesen, Mineral, Metall und natürlich dem menschen selbst, eine besondere Lebenskraft innewohnt. Diese Kraft gilt es mit den Mitteln der Spagyrik freizusetzen. Durch das jeweilige Verfahren soll die Kraft sogar erhöht werden können, da sie aus der stofflichen Form befreit wurde. Bekannte spagyrische Verfahren sind: Destillation, Gärung, Auslaugung und Veraschung. Spagyriker glauben, dass in der Lebenkraft drei unterschiedliche Prinzipien wirksam sind. Sal, das für das materialisierende, erdhafte Prinzip, Sulfur für das beseelende, feurige und Mercur für das Belebende und geistige steht. Beim Menschen sind das Körper, Geist und Seele. Erst wenn diese Komponenten im Gleichgewicht sind, ist der Mensch gesund.
Spagyrik heute
Heute werden Spagyrika als Fertigarzneimittel von verschiedenen Firmen hergestellt. Sie berufen sich auf die ursprünglichen Methode des jeweiligen "Schöpfers", z. B. Spagyrik nach Glückselig, Spagyrik nach Strathmeyer etc. Die unterschiedlichen Herstellungsverfahren sind zum Teil im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) als standardisierte Herstellungsvorschriften enthalten. Die spagyrische Therapie zielt darauf ab, das Gleichgewicht der Kräfte wieder herzustellen. Dabei ist der Zustand des Patienten wichtig. Werden spagyrische Heilmittel von einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker eingesetzt, zeigen sie oft sehr gute Erfolge.
Bild: © Kristian Peetz/fotolia.com

