GeschichteUm an die Wurzeln der Tibetischen Medizin zu gelangen, ist es notwendig, mehr als 3.000 Jahre zurückzugehen. Damals entwickelte sich im kargen tibetischen Hochland eine Volksmedizin, die auf schamanischen Ansätzen sowie der Fünf-Elemente-Lehre beruht. In der noch vorbuddhistischen Zeit gab es die Bön-Religion, die bereits Ernährungsregeln, bestimmte Heilverfahren sowie eine Art Arzneimittelkunde kannte. Im 7. Jhd. bemühte sich der König Song Tsen Gampo um Weiterentwicklung dieser Naturheilkunde und lud Heiler aus Indien, China, Iran, Nepal, Kaschmir und Griechenland zu medizinischen Kongressen nach Lhasa. Die Einflüsse aus diesen Ländern, besonders das Ayurveda, haben ihre Spuren in der Traditionellen Tibetischen Medizin (TTM) hinterlassen.
Grundlage
Es gibt vier Hauptwerke in der TTM, die Medizintantras. In ihnen ist von 84.000 Störungen die Rede und es werden 2.293 Heilmittelzutaten dargestellt. Derzeit gibt es weltweit nur ca. 2.000 in der TTM ausgebildete Ärzte. Aufgrund neuer Studien zur Wirksamkeit der TTM und erfolgreichen Kooperationen mit der westlichen Medizin, wird sich dies wohl bald ändern, auch wenn das tiefgehende Studium sechs Jahre dauert.
Nach tibetischem Verständnis ist die geistige Grundhaltung entscheidend für Gesundheit und Krankheit. Der Zusammenhang zwischen Körper, Psyche und Bewusstsein wird durch die Fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum beeinflusst.
Vorbeugende und heilende Methoden streben an, das Gleichgewicht dieser Energien herzustellen.
Diagnose
Bei der Diagnose soll herausgefunden werden, welche Körperenergien im Ungleichgewicht sind. Die TTM bedient sich dabei der Zungen- und Urindiagnostik. Die Befragung zur Ermittlung der Vorgeschichte und Auslöser nimmt einen großen Stellenwert ein. Als wichtigstes Instrument gilt die Tastung der Pulsqualität. Durch sie können Rückschlüsse auf Disharmonien und Störungen gezogen werden.
Heilmittel
Zur Vorbeugung von Krankheiten steht die Ernährung an erster Stelle. Dabei gibt es Ernährungspläne, Diäten, jahreszeitlich angepasste Ernährungsformen und -Richtlinien. Die zweite wichtige Therapie setzt am Verhalten an, denn aus buddhistischer Sicht liegt den meisten Krankheiten die Geisteshaltung zugrunde: Anhaften, Gier, Wut und Hass sind Beispiele dafür. Weitere therapeutische Maßnahmen sind besondere Pillen, vorwiegend aus Pflanzenteilen aber auch aus tierischen Bestandteilen gefertigt. Die Heilpflanzen kommen vorwiegend aus der über 2.000 m hoch gelegenen Himalayaregion. Dazu gibt es Juwelenpillen, sog. Kostbarkeitspillen, die pulverisierte Edelsteine und verschiedene Pflanzenarten enthalten. Der Einnahmezeitpunkt der tibetischen Medikamente wird häufig aufgrund von Astrologie, dem Mondstand und der Zahlenmystik ermittelt.
Äußere Behandlungen wie Schröpfen, Aderlass, Massagen, Bäder, Räucherungen, Moxibustion und Kauterisation ergänzen die Therapien. Außerdem werden Entspannungsübungen und Meditationsübungen empfohlen.
Literatur:
Handbuch aller Heilmittel der Traditionellen Tibetischen Medizin, Dr. Pasang Yonten Arya, O.W. Barth Verlag

