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Können wir geistig jung bleiben?
Wer regelmäßig sein Gehirn trainiert, bleibt geistig fit, in jedem Alter, oder? Nach aktueller Studienlage lässt sich dies nicht so einfach beantworten. Zumindest steht heute fest, dass nur durch den eifrigen Gebrauch des Gehirns der Erhalt der mentalen Fähigkeiten möglich ist. Im Laufe des Lebens verändert sich das Gehirn stärker als jedes andere Organ. Im Alter von etwa 20 Jahren erreichen wir den Höhepunkt unserer Fähigkeit, abstrakt und logisch zu denken. Irgendwann setzt dann der Alterungsprozess ein und unser Gehirn wird immer langsamer in der Informationsverarbeitung. Alte Menschen tun sich deshalb schwer, unter Zeitrdruck Neues zu erlernen oder Wissen rasch abzurufen. Grund dafür ist, dass die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen mit der Zeit verloren gehen.
Der Verfall im Gehirn trifft vor allem Hirnregionen, die für das Lernen und Erinnern besonders wichtig sind. Das Fatale dabei ist, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses im Laufe der Jahre geringer wird, die Aufgaben aber mehr werden. Denn viele Aufgaben, die das jugendliche Gehirn noch ganz automatisch ausführt, benötigen im Alter mehr Konzentration.Trotz der Abbauprozesse haben wir selbst einige Möglichkeiten, geistig fit bis ins hohe Alter zu bleiben.
Überraschende Erkenntnisse
Hersteller von Gehirntrainings-Software wollen uns seit Jahren weis machen, dass Übungen am Computer, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die grauen Zellen stärken und das Gehirn jung halten kann. So funktionieren auf jeden Fall Muskelübungen für den Körper. Die Abläufe im Gehirn sind jedoch viel komplexer als die innerhalb eines Muskels. Zwar stimmt es, dass wir bei längerem Trainieren einer Übung besser werden, doch dass uns dies im Alltag unterstützt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Hierbei handelt es sich um den reinen Erwerb von Fähigkeiten. Damit ein Gehirntrainings-Programm überhaupt einen Nutzen für den Alltag hätte, müsste es sehr intensiv, anstrengend und herausfordernd sein. Kreuzworträtsel oder Sudokus sind zwar sehr unterhaltsam, stellen leider aber auch kein wirkungsvolles Training für das Gehirn dar. Hirnforscher haben festgestellt, dass sich die Fragen und Muster immer wiederholen und die Prozesse im Gehirn dadurch automatisiert werden. Genauso ist es meist auch beim Lesen und Karten spielen. Das Gehirn greift auf erprobte, schon vorhandene Nervenbindungen zurück. Dies ist kein wirkungsvolles Gehirn-Training.
Das Erfolgsrezept
"Es gibt Hinweise darauf, dass sich im Gehirn durch sportliche Aktivität mehr Verknüpfungen zwischen einzelnen Neuronen ausbilden, die eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns zur Folge haben.", sagt Professor Ursula Staudinger von der Jacobs-Universität. Aber wieviel Sport muss es sein? Reicht der gemütliche Spaziergang im Park? "Ausdauertraining oder auch Koordinationssport lässt uns ein bisschen die Zeit zurückdrehen." so Professor Ursula Staudinger. Sportwissenschaftlern zufolge reicht es aus, zwei- dreimal pro Woche zügig, mindestens eine Stunde spazieren zu gehen.
Mit Musik geht alles besser! Diese bekannte Formel scheint auch auf das Gehirn anwendbar zu sein. Neuropsychologen der Universität Zürich bringen 70-jährigen Klavierspielen bei, die zuvor noch nie etwas mit Musik zu tun hatten. Beim Musizieren sind sehr viele unterschiedliche Hirnareale aktiv, dies regt die Hirnaktivität an und wirkt dem natürlichen Verfallsprozess entgegen. Bereits nach einer Woche üben beobachteten die Forscher, dass die Hirngebiete, die für Bewegungen zuständig sind, effizienter arbeiteten. Das zeigt, dass auch ein altes Gehirn offen für Neues ist.
Das Erfolgsrezept heißt: Neues erlernen! Ältere und alte Menschen sollten immer wieder neue Dinge lernen, mit denen sie sich bisher noch nie beschäftigt haben. Dies kann eine neue Sprache sein, eine handwerkliche Tätigkeit, eine neue Software etc. Je mehr Sinne angesprochen werden, umso besser. Die vielfältige Ansprache der Sinne macht auch den Erfolg des sozialen Miteinanders aus, denn auch ein reges Sozialleben verbessert die geistige Fitness. Das hat eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Berlin herausgefunden. Das Zusammensein mit anderen Menschen macht nicht nur Freude, es erhöht sogar die geistige Fitness.
Je früher wir diese Ratschläge beherzigen, desto leichter wird es uns fallen, geistig fit zu bleiben.
Literaturverweis: Hält Gehirntraining jung? Script zur WDR-Sendereihe Quarks & Co.
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